Oft bleibe ich wach bis zum Morgengrauen, beobachte wie sich die Schwere des Alltags legt, während sich in mir die Leichtigkeit ausbreitet. Nachts und alleine kann ich mich entblößen, jeder Fehler findet seinen rechtmäßigen Platz in der blauen Dunkelheit ohne Rüge und Widerrede, alle guten und alle schlechten Gedanken rasen zwischen den Sternen ohne Widerstand und Antwort.
Der alte Mond ist verschwunden, lange hat er mich durch seine weiße Schute angelächelt. Sie wurde ersetzt durch eine grelle Blau-weiße Reklame eines Bauunternehmens am Krangipfel, welche gelangweilt über die Dachreiter und Bronzedächer der Großstadt scheint.
In Zügellosigkeit trete ich nachts, wenn keiner hinsieht, mir selbst entgegen und schüttle ich den schweren Mantel ab, mit dem ich tagsüber im Menschentumult Parterre bin, was sich darunter verbirgt ist eine kleine Prise freiheit.
Bis zum Morgengrauen hält meine begrenzte, kleine Freiheit an, dann husche ich zurück in die Gruft und überlasse das Leben den Sonnenanbetern. Wie süß doch Freiheit wird, wenn sie gekürzt ist.