Objekte im Freien, die ich aus dem Gefängnis beobachte, bewegen sich auf mich hin und wieder weg. Wellenartige Bewegungen der flachen Oberflächen.
Das Lachen der Kollegen lauter und anstrengender als sonst.
Grauen Wolken wird helle Farbe untergejubelt. Guthrie Govan's Licks knallen heute gut rein.
Der Magen furzt.
Ein Kollege neben mir fragt, ob ich etwas angespannt bin, weil ich so schnell mit den Füßen wippe. Ich sage: Nein, Guthrie Govan's Licks knallen heute nur gut rein. Und ich kann doch auch nichts dafür, dass der Song in 134 bpm läuft.
'Seven' nimmt ein abruptes Ende, ein bisschen wie Erik Satie's 'Embryons desseches'; beide haben gemeinsam, dass die Enden unerwartet kommen, aber so selbstbewusst wie der Tod.
Plattenbauten nebenan sind an Blut verarmt, ein Gefäß um die geschmacklosen Datteln zu trocknen.
Breathe, breathe... in the Air!
Ich möchte jetzt gerne so auflachen.
Das Niesen des chronisch verniesten Mannes nebenan, das mich normalerweise anwidert, vergnügt mich plötzlich. Ich finde es nicht mehr abstoßend, sondern lustig. Ich möchte den Mann umarmen, obwohl ich Umarmungen abstoßend finde, und ihm sagen, dass er ein tolles Niesen hat!
A broken man, a cracked polystyrene man.
Duftsprüher über der Toilettenmülltone, ist das Nudging oder Bevormundung?
Die Cola am Morgen schmeckt intensiver.
Schwefelschweiß liegt in der dünnen, trockenen Großraumbüroluft.
1997 fällt mir ein: Ein Mann synkopiert, während er Seinfeld ansieht und zu viel lacht.
2005: Ein Friseur synkopiert, während ihm ein Kunde eine äußerst amüsante Geschichte erzählt, woraufhin er zu viel lacht.
2024: Ein Mann synkopiert, weil sein Kollege ihn wie nasser bemitleidenswerter und wehmütiger Hund ansieht und er darüber zu viel lacht.
Twix Salted Caramel, lecker. Ich habe heute leider kein Bargeld dabei.
Schmatzen wie ein abgehungertes Schwein im Konferenzraum des 10. Stocks.
Ich lache zu viel gerade.
Fanal, Fanal, ich lache mir den Regen herbei.
Ich frage mich, ob diese Leute meinem nun heruntergeschraubten Schmatzen heimlich lauschen.
Sie berechnen ja auch meine Stuhlzeit.
Eingang, neue Mail!
"Stugart 25, Intel 50, Glaskabel Lichtentanne St. Nimmerleinstag von Bahn, Nahverkehr Straßen Sozialem weiß man nix. Viele Grüße"
Dieses "viele Grüße", als wäre alles im Text klar und vernehmlich, hat mir den Rest gegeben.
Tastatur atmet.
Ich frage mich, ob jemand jemals die Adern dieser Hüne von Pflanze gezählt hat.
Die Pflastersteine draußen beben wellig.
Flugzeuge machen mich aktuell mehr an als ohnehin schon.
Der Kollege nebenan ist ein netter Kerl. Man muss nur manchmal zuerst nett sein.
Sonnenblumenkerne für 1,20. Regen fällt ins Abseits. Ein arbeits- und hosenloser Depressivist starrt mich aus dem Plattenbau gegenüber an, zwei Leben im visuellen Fechtkampf. Ich erwidere seine agile Riposte mit hochgezogenen Augenbrauen. Wir dürfen gerne Plätze tauschen, ich bin nicht eifersüchtig.
Ich schreibe dem Kollegen direkt gegenüber eine Nachricht. Er antwortet mir auf die Tastatur hämmernd, während er mit einem anderen Kollegen beschäftigt diskutiert.
Ich bin froh ein Medium zu sein. Ich bin ein tolles Medium.
Der Regen fällt ins Abseits, weiterhin. Das bisschen Farbe auf den klimaanlagenübersähten Schachtürmen des anämischen Plattenbaus gegenüber sie so wunderbar lächerlich aus.
Sonnenblumenkerne sind ätzend.
Manchmal bleibt ein Stück Kernhaut im Hals stecken, oder ein Globussyndrom möchte mich irreführen. Dann bekomme ich Flashbacks vom Tomatenessen.
Hofmann hatte recht, man fühlt eine gewisse Benommenheit, die in farblichen Taumel fällt, als würde ein Statikfilter vorgehalten, als würden alle Atome vor einem die Realität wegbeben.
Es ist meines Erachtens keine Illusion, sonderne eine sprunghafte emotional-farbliche Legierung/Amalgamierung.