Nein, ich will nicht sterben, nicht im biologischen Sinne. Kein Körper will das wirklich. Wenn ich es wünsche oder manchmal verherrliche, dann rein poetisch; ein Akt gegen die Natur, eine Rebellion, ein törichter Fisch, der gegen den Starkstrom schwimmt. Nein, ich will nicht sterben, Aber ich muss. Mein Leben ist fehlkonfiguriert, ich habe wenig bekommen und habe noch weniger daraus gemacht. Es schmerzt umso mehr, weil ich weiß, wie ich es hätte besser machen können. Es schmerzt, weil die Zukunft nicht mehr greifbar ist. Um der Schmerzbeseitigung wegen sterbe ich also, ja so kann man das sagen. Es ist aber kein Schmerz der mal eben da ist und sich bald verflüchtigt, es ist ein Schmerz, dumpf begann er im Hintergrund und verfestigte sich nach und nach, manchmal ist der Schmerz nicht lokalisierbar, weil er seelisch und körperlich zugleich angreift. Es schmerzt besonders, wenn mein ursprünglicher Wille kurz vortritt, ich bin so stolz auf ihn, er hat ab und zu Großes vollbracht, über das ich heute noch staune, doch ehe er sich völlig durchsetzt, da drückt ihn doch dieser Schmerz zurück in seine Gefänge. Und da bleibt er, schwer domestiziert, fügsam und kastriert. Da bleibt er und ich kann nichts dagegen machen. Ich meine, mal gelesen zu haben, Depressionen seien unbeschreiblich im holistischen Sinne. Ich muss da widersprechen, trotz des Nebels im Hirn sehe ich darin so klar wie nie. Es ist als hätte man einen Feind direkt in der Kimme und im Korn. Ich beobachte ihn, willenlos, wacklig bis der Ohnmacht nahe, hilflos und dennoch hasserfüllt. Wie er mich einnimmt, wie er die Todeslegion vorschickt, um mich mitzunehmen.
Nein, ich will nicht sterben
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