Er: Warum bist du hier gelandet? Sie: Es war ein kalter, windstiller Morgen. Ich saß draußen auf dem Balkon im 8. Stock und betrachtete die Sterne und schwups, plötzlich kam eine Sternschnuppe, wie schnell sie doch vorüber gehen… Auf einem anderen Balkon, zwei Stockwerke höher neben mir saß immer jeden Morgen einer, der an seiner Zigarette nuckelte, zitternd, möchte ich meinen, an seinem Kaffee schlürfte und wie besessen hustete. Das Schlürfen hat mich schon immer gestört, denn der Morgen soll ruhig sein und mir innere Ruhe geben. Noch dazu konnte ich mir nichts wünschen, denn ich wusste, er sah in die selbe Richtung und hat bestimmt auch die Sternschnuppe gesehen, also hätten wir uns beide etwas gewünscht und das hat mich angewidert. Eine Sternschnuppe soll nur für einen bestimmt sein, nicht für zwei. Ich hätte mir gewünscht, dass es leichter wird im Herzen, aber das wäre sowieso ein verwunschener Wunsch, weil es nie leichter im Herzen wird. Sobald man geboren wird, fließt das Blut immer langsamer, es wird immer dicker und schwerer, niemals leichter. Sowohl der Blutfluss und die langsame Gerinnung als auch der Wille, der in die Seele gepumpt wird, machen das Herz schwerer und schwerer, bis es einen plattfallen lässt. Und das wollte ich nicht, nicht mehr. Ich wollte doch nur einen Wunsch haben, ganz für mich. Einmal im Leben, ganz ruhig an einem Morgen. Also ging ich wieder hinein und dann in den Flur, dann in seinen Flur hoch zum 10. Stock und klopfte laut an. Ich kann mich nur noch an das müde Gesicht erinnern, weiter aber nicht mehr. Er spürte seinen Hals sich verspannen, er hoffte auf nichts Schlimmes, erwartete aber schlimmstes, so wie jedes Mal: Und dann? Sie: Ich weiß nicht mehr, dann war ich schon hier. Mir wurde aber gesagt, dass ich schreiend in seine Wohnung gerannt bin und dass ich auf das Balkon zielte. Ich erinnere mich nicht mal mehr an diesen Schrei, an sowas sollte man sich doch erinnern oder? Mir wurde einmal gesagt, es springt sich sicherer aus dem 10. Stock als aus dem 8. Stock. Ich denke er hatte nach meiner Aktion keinen weiteren Kaffee mehr gebraucht, somit hat das Schlürfen wahrscheinlich aufgehört und das bereinigt mein Gewissen ein wenig.